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VfB i steh zu dir

Es ist nicht immer leicht,
ein VfB-Fan zu sein


Wer im Schwabenländle zur Welt kommt, hat keine Wahl: Man wird mit dem VfB-Fan-Gen geboren oder bekommt es bereits mit der Muttermilch eingeimpft. Ich war fünf Jahre alt, als ich mein erstes VfB-Trikot zum Geburtstag bekam. Das weiße Heimspiel-Trikot ist so klein, dass ich es mir heute nicht mal mehr über den Kopf ziehen kann. Produziert von Adidas, steht auf dem roten Brustring groß "Göppinger Gruppe". Die Rede ist von der Saison 1998/99, als Krassimir Balakov, Zvonimir Soldo und sogar Fredi Bobic noch die Kugel über das Feld jagten. (Und Letzterer nicht nur dumme Sprüche klopfte!) "Das waren noch Zeiten", werden sich jetzt viele denken. Damals, als der VfB noch mit um den Europapokal spielte. 



Insgesamt zählen fünf deutsche Meisterschaften und drei Siege im DFB-Pokal zur stolzen Erfolgsbilanz des Traditionvereins aus dem Schwabenländle.



Das letzte Mal Jubeln konnten Spieler und Fans am 19. Mai 2007 nach dem 2:1 Sieg gegen Energie Cottbus. Nie werde ich vergessen, wie ich auf dem Sofa das Spiel live über premiere (heute heißt das Ding sky) verfolgte. "Die jungen Wilden" spielten sich um Kopf und Kragen: Es ging um Alles oder Nichts. Nicht nur mein Vater schien einem Herzinfarkt nahe, als der VfB zunächst in Rückstand geriet. Ganze 90 Minuten lang brüllte er sich die Seele aus dem Leib. In den 15 Minuten Halbzeitpause wurde gerechnet, analysiert, Tabellen vergleichen, Bier nachgeschenkt. Heute noch bin ich Khedira und Hitzelsberger "The Hammer" dankbar, für die zahlreichen Menschenleben, die sie mit ihren Toren gerettet haben. 

Dennoch, diese Erfolge liegen nun sieben Jahre zurück. Die Jubelgesänge sind verhallt, die Bilder von der Party auf dem Schlossplatz verblassen in den Köpfen und die Meisterschaft-DVD mit den schönsten Toren staubt im Regal ein. Zugegeben ein neues Erfolgserlebnis wäre nicht schlecht. Zumindest, würden zahlreiche Fans nicht mehr den Fernseher anschreien, als könne er etwas für die schlechten Leistungen der Spieler. (Wenn der Kopf die Farbe des Brustrings auf dem Trikot annimmt, sollte man in Erwägung ziehen, auszuschalten). Man könnte die Dinge natürlich auch wie meine Mutter lösen, die beim DFB-Pokalfinale 2007 gegen Nürnberg beim Gegentreffer freudig die Arme hochriss und "Tooooor" jubelte - sie war die Einzige, die sich freute. (Seitdem werden vor dem Spiel ein paar entscheidende Fragen geklärt: "Welche Farbe sind wir?" und "In welche Richtung spielen wir?")

Wenn die ganze Kurve tobt, schlägt mein Herz in weiß und rot. Ich lass dich niemals allein, du bist ewig mein Verein. Wir werden niemals untergehn, solange unsre Fahnen wehn!


Gut, zugegeben, auch wenn die Stuttgarter Spieler es manchmal vermasseln, sie haben es auch nicht leicht mit ihren Fans. Die Zuneigung ihrer Anhänger müssen sie sich  hart erarbeiten. Unverbrüchliche Liebe, bedingungslose Treue gibt es selten. Die "Bruddligkeit" der Tribüne ist berühmt-berüchtigt. Auch teure Spieler-Einkäufe werden in der schwäbischen Hauptstadt nicht sonderlich geschätzt. Und das, obwohl der Großraum Stuttgart eine der wohlhabendsten Regionen Deutschlands ist. So sind wir Schwaben eben; Immer was zu meckern. Und wenn wir uns schon die eigenen Fehler nicht eingestehen können, dann kritisieren wir eben andere. Da wird der heimische Sessel schnell mal zur Trainerbank und die spärlichen Fußballkenntnisse zum Fachwissen. (Auf die Anmerkungen meiner Mutter "Du könntest das aber auch nicht besser", folgt ein "Ich werde fürs Kicken ja auch nicht mit Millionen im Jahr bezahlt".) Aber vergeben und vergessen sind die Beschimpfungen und Flüche nach einem Sieg. Vom Seggel zum Schwaben-Messi in nur wenigen Spielminuten - was für eine Entwicklung.  Nicht, dass der VfB-Fan dann Lobeshymnen anstimmen würde - ganz im Gegenteil. Ein "Na also, geht doch" ist da das höchste der Gefühle. Doch da greift die alte Schwabenregel; "Net geschompfa isch globt gnuag". Auch sind VfB-Fans beileibe keine Erfolgsfans. (Was man ja nicht von allen behaupten kann). Hinter der Hassliebe steckt eine lange Tradition:

Der VfB auf der Suche nach sich selbst




Denn die Anfänge des Vereins für Ballspiele reichen bis ins Jahr 1893 zurück. (Hier empfehle ich den Dokumentarfilm "Fußballfieber: Der VfB und seine Geschichte" des SWR Fernsehens). Es gelingt dem VfB zwar, sich in der Bundesliga zu etablieren, aber nie, sich auf Dauer "oben" festzusetzen. Durch die Vereinsgeschichte ziehen sich hohe sportliche Ansprüche, die nicht selten an schwäbischer Sparsamkeit scheitern. Auch fällt die Professionalisierung des Fußballs nach Einführung der Bundesliga 1963 dem Verein schwer. Nur langsam setzt sich ein modernes Management durch. Als andere Vereine längst zu einer "Marke" geworden sind, befindet sich der VfB immer noch auf der Suche nach sich selbst. Auch der im Juli 2014 verkündete neue Claim "furchtlos und treu" kommt bei Fans und Mitgliedern nicht so richtig an. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht leicht ist ein VfB-Fan zu sein - zumindest nicht immer. (Klar kannsch auch Bayern-Fan sein, aber dann bisch halt kacke!)
Somit werden Niederlagen auch in Zukunft gestandene Männer zum Weinen bringen und das ein oder andere Fußballherz brechen. So ist das eben, wenn Fußball nicht mehr nur Sport ist und Bundesliga kein nettes Hobby zum Zeitvertreib. Für manche mag das vielleicht unbegreiflich sein, wie man sich "von so etwas" die Laune verderben lassen kann. Dennoch, für die Hartgesottenen unter den VfB-Fans gibt es keine Alternative, wenn bereits das Schlaflied am Kinderbettle ging: 

VfB i steh zu dir, VfB was auch passiert, mir halted zueinander, nix und niemand tut uns weh, so sind wir - so isch der VfB!


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