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Gefangen im Tunnelblick

Generation Internet: Gemeinsam einsam



Wie das Internet unsere Kommunikation verändert

Der Stuttgarter Hauptbahnhof - ein Endlosdrama, über das ich mich hier und heute nicht auslassen will. Graue Tunnel führen Aufgrund der Baustelle vom Gebäude zu den Gleisen. An dieser Stelle wartete ich vor ein paar Tagen auf eine Freundin. Zeit das Treiben ein wenig zu beobachten. Hektische Menschen, die einen Zug erwischen müssen. Gestresste Pendler auf dem Weg ins Büro. Und zwischendrin immer wieder Augenpaare fest auf einen kleinen leuchtenden Bildschirm geheftet.



"Der Tunnelblick im Tunnelblick", schoss es mir durch den Kopf.

Wann hattest Du das letzte Mal ein angeregtes Gespräch mit dem Gegenüber im Zug? Wann hast du dir Zeit genommen, um einen Brief zu schreiben? Keinen elektronischen, den man im Handumdrehen ans andere Ende der Welt senden kann. Sondern einen, auf dessen Antwort man tagelang sehnsüchtig wartet, um ihn dann erwartungsvoll aufzureißen. Um hier nicht nur die Moralkeule zu schwingen - auch bei mir ist das schon eine Weile her. Dabei schreibe ich meine Gedanken ab und zu ganz gerne auf. In einer Notiz in meinem Smartphone - versteht sich. 

Denn, wir alle kommunizieren zunehmend asynchron: Entweder nicht zeitgleich, oder weil unser Gesprächspartner nicht am gleichen Ort ist wie wir. Diese selektive Wahrnehmung macht unseren Austausch ärmer, sagen Experten. Wir verpassen wichtige Erfahrungen, weil wir keine Begegnung mehr dem Zufall überlassen.Bildhaft ausgedrückt: Der Tunnelblick auf die mobile Kommunikation verhindert, dass sich der eigene Horizont erweitert. Auf diese Weise entsteht ein öffentlicher Zwischenraum, in dem jedoch paradoxerweise vor allem private Handlungen vollzogen werden – beispielsweise, wenn sich Leute im Bus via Mobiltelefon streiten und alle den Disput mitbekommen. 

Nie war es so einfach, so schnell, mit so vielen Menschen gleichzeitig zu kommunizieren. Egal ob per whatsapp, facebook oder via twitter - Informationsfluten prasseln auf jeden einzelnen von uns nieder. Wer da nicht schnell sein Schutzschild hochreißt und sich gezielt Zeit nimmt, für die wirklich wichtigen Menschen, für Dinge die face-to-face erzählt gehören - mit theatralischen Gesten und echtem Feedback - der wird hoffnungslos mitgerissen und endet in einer riesigen Community - gemeinsam einsam

Unzählige Freunde auf facebook, tausende Follower in Instagram, aber keiner der dich fragt, wie es dir wirklich geht. Wenn du niemanden hast, der dein wahres Ich hinter deinem selbstgebastelten und mit Mühe aufrechterhaltenen Online-Profil erkennen kann. Wie auch? Smilies setzen ihr Grinsen nicht ab. Und so kommt es, dass im Zeitalter des mobilen Internets, in der jeder mit jedem vernetzt ist und Kommunikation nie so leicht schien, eben diese zu einem Problem wird. Wer kennt sie nicht, die ätzende Situation, wenn man mit seinen Freunden am Tisch sitzt und plötzlich jeder sein Smartphone in der Hand hat? Das ist eine neue Art der Unhöflichkeit, die Knigge noch nicht in seinem Werk festgehalten hat. Keiner würde auf die Idee kommen, am Tisch in der Nase zu bohren. Sich jedoch abzukapseln und ins Handy zu stieren, gewinnt immer mehr an Akzeptanz. 

Deshalb jetzt vielleicht mal das Handy weglegen, einen Brief schreiben, bei der besten Freundin vorbei fahren, sich auf einen Kaffee verabreden oder einfach den Sitznachbarn im Zug ein Kompliment machen und so ins Gespräch kommen. Wem das zu viel ist, der sollte wenigstens mal kurz den Kopf heben und die Augen vom Smartphone nehmen - und das nicht nur, wenn ein Pfeiler den Weg versperrt. Denn nur so sieht man das Licht am Ende des Tunnels. 

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