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Typisch schwäbisch, typisch Du?

Gibt es den schwäbischen Norddeutschen?

Das Kesselkind geht dem Klischee auf den Grund


Bruddelig, sauber und sparsam - so verhält er sich, der Schwabe aus dem Bilderbuch. Es sind Klischees, die an einem kleben, wie frischer Kaugummi an einer Schuhsohle. In Berlin soll es einen regelrechten "Schwabenhass" geben und egal, wohin man kommt, der schwäbische Ruf war zuerst da. Unerkannt bleibt keiner, der aus dem Schwabenländle kommt, soviel ist klar. Der Dialekt verrät einen sofort. Nicht nur die Aussprache, auch die Grammatik ist nicht hochdeutsch. Und selbst, wenn man s-Laute nicht ausspricht wie langes Wasserrauschen [sssssch] (Beispiel: "Weisssssch"), so verschlucken wir doch mindestens einen Buchstabe am Ende (Beispiel: "nich"). Doch egal ob belächelt oder geliebt, ein anderer Sprachgebrauch macht noch kein Klischee.



Da stellt sich die Frage: Was ist ein Klischee?


"Ein Klischee ist eine ehemals innovative Vorstellung, Redensart, Kunstwerk oder Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht erscheint. Das Klischee existiert als etwas geistig bzw. sprachlich Schablonenhaftes. Es ist dabei charakteristisch, dass die Eigenschaft, welche das Klischee bedeutet, nicht eine der Eigenschaften ist, welche die gleichartigen Einzelelemente zu einer benennbaren Klasse werden lässt, sondern vielmehr eine zusätzliche, davon unabhängige Eigenschaft ist.

Ein Beispiel für ein auf eine Personengruppe bezogenes, positives Klischee: „Die Deutschen sind sehr pünktlich“. Diese Eigenschaft ist rational unabhängig von der Eigenschaft der Menge der Deutschen, deutsch zu sein, wenngleich nicht festgestellt werden kann, ob diese generelle Zuordnung zutrifft oder nicht. Es handelt sich um ein Klischee.



Bedient sich jemand eines Klischees, repräsentiert dies nicht notwendigerweise die Überzeugung der Person – es kann auch unbedacht übernommen worden sein. Die Eigenschaft, die das Klischee ausmacht, ist nicht notwendigerweise, aber dennoch häufig, negativer Natur. Ist die Eigenschaft negativ belegt, kann das Klischee zu einem Vorurteil verschärft sein."

Soweit, so gut. Wer nicht auf halber Strecke das Fenster geschlossen und den Kopf geschüttelt hat - Hut ab. Was Wikipedia kompliziert versucht auszudrucken, ist folgendes: Ein Klischee ist eine Vorstellung in den Köpfen und hat nichts damit zu tun, ob diese der Wahrheit entspricht.

Also ist vielleicht gar nichts dran am Schwaben-Klischee? Putzt ein Hamburger im Norden vielleicht sogar öfters sein Treppenhaus als wir und beeinflusst nicht das Einkommen die Sparsamkeit der Menschen? Nun gut, was die Bruddelgkeit anbelangt, so kommt mir mein Nachbar in den Sinn, der seine Türe nur einen spaltbreit öffnet, wenn ich meine Wohnung verlasse. Doch liegt das an seinem Geburtsort, dem Schwabenländle und der Mentalität seiner Einwohner?

Zu diesen Fragen gibt es keine wissenschaftliche Studie, die dem Schwaben-Phänomen je auf den Grund gegangen wäre. Das will ich ändern. Meine Abschlussarbeit an der Universität Hohenheim steht vor der Türe. In dieser möchte ich das Schwaben-Klischee unter die Lupe nehmen und herausfinden, ob es den typischen Schwaben in den Köpfen der Menschen wirklich gibt, oder ob vielleicht auch im Norden ein "schwäbischer Hamburger" zu finden ist.

Vorab möchte ich Klischees und Vorurteile sammeln, um den "klassischen Schwaben" zu charakterisieren. Also, liebe Schwaben und Nicht-Schwaben; wie sieht er für euch aus, der Schwabe? Wie verhält er sich? Was zeichnet ihn aus? Und was denkt ihr, auf welche Ergebnisse werde ich mit meiner Studie kommen? 

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